Ökonomie

Industrie 4.0 und E-Mobilität werden in unserer Region eine Vielzahl von gut bezahlten Produktionsarbeitsplätzen vernichten. Die verbleibenden Gewerbeflächen müssen deshalb vorrangig an wertschöpfende produzierende Unternehmen vergeben werden.

Die Windkraft-Standorte auf der Boucher Höhe dürfen nicht aufgegeben werden, moderne getriebelose Generatoren- optimiert für Niedrigwind-Geschwindigkeiten- sind nicht nur äußerst produktiv, sicher und ruhig, sie vermeiden durch die direkt Einspeisung in das lokale Netz auch jene Stromverluste, die durch Umspannen und Leitungsverluste (mehr als 1000 km zur Küste!) entstehen, wenn der Strom aus Off Shore-Anlagen auf dem Meer bezogen wird. Die Stadtwerke wären dann in der Lage, den Bürgern einen preisgünstigen Ökostromtarif anzubieten.

Beim Erschließen von neuen Geschäftsfeldern können die Stadtwerke ebenso eine herausragende Rolle spielen, indem sie mit der Gründung von Tochter- oder Gemeinschaftsunternehmen die Einführung innovativer Produkte vorantreiben. Es braucht mehr Photovoltaik – neue Möglichkeiten bieten die Groß-Parkplatzflächen zum Beispiel von Einkaufzentren und Baumärkten. Schattenspendende Carportanlagen mit Photovoltaik-Dächern sorgen so noch für saubere Stromerzeugung. Straßen und Fahrradwege nehmen einen großen Teil der Gesamtfläche unseres Stadtgebietes ein, sie können für die alternative Stromgewinnung genutzt werden, es gibt da viele neue Ideen – Firmen aus diesen Bereichen könnte man Testrecken in der Stadt anbieten.

Die neue Elektromobilität braucht zwingend eine großflächige Versorgung mit Ladeeinrichtungen. Die Stadtwerke könnten zum Beispiel Unternehmen gründen, welche die Einrichtung von Ladestationen in Tiefgaragen, Carports und Einzelgaragen anbieten. Laternentankstellen sind ein weiteres Stichwort. Und warum sollen sich die Waiblinger Stadtwerke nicht am Vertrieb von preiswerten E-Autos beteiligen?

Die Altstadt - historisches Beispiel für die Einheit von Arbeiten, Einkauf und Wohnen – muss unbedingt gestärkt werden. Den Wettbewerb mit den Einkaufszentren am Stadtrand und dem Internet Shopping kann eine historische Altstadt nicht mehr gewinnen. Es sei denn, sie bietet gezielt Segmente an, die für den Massenmarkt nicht lukrativ sind. Wir schlagen vor, in der Unterstadt um die Galerie Stihl städtischerseits Verkaufsflächen anzumieten und sie Kreativen, Künstlern oder auch Anbietern von Kunstbedarf temporär verbilligt zur Verfügung zu stellen. Durch die Synergie mit der Galerie Stihl kann so ein ganz besonderer Stadtteil entstehen.

Weitere Idee: ein„ArtCenterWN“ Dort könnten einheimische Künstler ganzjährig und gemeinschaftlich ihre Werke präsentieren. Das wäre beste Wirtschaftsförderung- den zuständigen Mann dafür gibt’s ja bereits in der Stadtverwaltung.

Zur gelungenen Daseinsfürsorge in dieser Stadt gehört auch zwingend, dass Strom und Wasser in städtischer Hand bleiben und demokratisch kontrolliert werden. Wir wollen überdies keine Bildungseinrichtungen, die gewinnorientiert betrieben werden. Erleben wir die damit verbundenen Probleme nicht ganz aktuell mit dem Kita-Betreiber Elemente E auf der Korber Höhe?

Ganz wichtiges, zukunftsweisendes Stichwort: Gemeinwohl-Bilanz. Sie misst Erfolg nach neuen Maßstäben. Nicht der Finanzgewinn ist die Maxime, sondern die Mehrung des „Gemeinwohls.“ Darunter versteht man neben der Wirtschaftlichkeit auch die Aspekte Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung und Transparenz. All das muss in diese Bilanz mit einfließen. Vier Eigengesellschaften der Stadt Stuttgart erstellen bereits solche Gemeinwohl-Bilanzen. Wenn sie zum Beispiel eine Entscheidung über Sanierung oder Neubau treffen, werden nicht nur die Abriss- und Baukosten gegen die erwarteten Zuschüsse aufgerechnet, sondern auch der Ressourcenverbrauch wird mit einkalkuliert. Wir regen an, bei Vergaberichtlinien diese Aspekte künftig auch in Waiblingen zwingend mit einzubeziehen.

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